Montag, 26. Juli 2010

Tango Argentino

Willkommen zu meinem naechsten Post und damit auch zu meinem ersten Post aus meiner Gastfamilie.
Da es mir einfach zu muehsam ist, jedesmal die kuerzel fuer Sonderzeichen zu gebrauchen, muesst ihr euch wohl oder uebel an ae, oe, ue und ss gewoehnen. Lesbar ist es hoffentlich auch auf diese Weise.
Wo hat eigentlich mein letzter Post aufgehoert? Ich denke bei der Stadtrundfahrt unserer deutschen Gruppe.
Dort setze ich hier auf wieder an.
Die Einfuehrungswoche hier in Córdoba, oder besser in einem Vorort der Stadt namens Rio Ceballos war merklich anstrengend. Auch wenn ich viel gelernt habe, was mir fuer meinen Auslandsaufenthalt von Nutzen sein wird, leide ich jetzt unter erhoehtem Schlafbeduerfniss. Letzte Nacht, uebrigens die erste in einem Zimmer mit meiner juengeren Gastfschwester, mit der ich mir ein Zimmer teile, habe ich ungewohnte zehn Stunden geschlafen. Diese hatte ich dringend noetig. Vier Stunden Spanischunterricht Tag fuer Tag und unglaublich viele neue Informationen, die mir alle wichtig vorkommen muessen versuchen einen gemeinsamen Platz in meinem Kopf zu finden.
Den letzten Tag im Hotel "Los Pinos", also den Tag an dem wir zum ersten Mal unseren Gastfamilien leibhaftig gegenueberstehen sollten, haben wir groesstenteils damit verbracht, Empanadas zu backen.
Eben erwaehnte Empanadas sind ein in Argentinien, gerechtfertigterweise, sehr beliebtes Gericht.
Ich zumindest esse sie sehr gerne. Empanadas sind Teigtaschen (ich bin mir nicht sicher, aber ich denke es ist eine Art Blaetterteig) mit einer Fuelung aus Hackfleisch, verschiedenen Zutaten ,wie Zwiebeln, und Gewuerzen. Es gibt sie in vielen verschiedenen Arten, doch die drei bekanntesten sind die Suessen, die Pikanten und die "Arabischen". Letztere Unterscheidet sich von den beiden zuerst genannten nicht nur in Zutaten und somit auch im Geschmack, als auch in Aussehen, denn Empanadas haben eine ganz besondere Form. Die Teigfladen, die man mit dem Hackfleisch befuellt, sind kreisfoermig. Nachdem man einen Loeffel der Fuellung auf diese Teigfladen hat fallen lassen, werden diese uebereinandergefaltet, am Rand zusammengedrueckt und in verschiedenen Techniken am Rand bearbeitet, damit man von aussen erkennen kann, welche Fuellung sie beinhalten. Leider finde ich meine Kamera gerad enicht und meine "kleine Schwester" hat sich bereits schlafen gelegt, sonst wuerde ich an dieser Stelle ein Foto der vollen Empanada-Bleche hochladen. Diejemigen, die mich kennen, wissen, dass ich Essen generell sehr skeptisch gegenueberstehe. Dennoch habe ich versucht, leachelnd in meine ersten Empanadas zu beissen und ich muss sagen; Nachher viel mir das Leacheln gar nicht mehr schwer. Me gustan las Empanadas! Aber an diejenigen der Arabischen Sorte werde ich mich nie gewoehnen. Zu viel Paprika. Aber was ich fast vergessen haette:
Zurueck zum Unterschied der Arabischen von den restlichen Empanadas.
Wie letztere Zustande kommen hatte ich gerade erklaert und auch bei ersterer Sorte beginnt man mit einem runden Teigfladen und der Fuellung. Dieser Teigfladen wird dann aber im ersten Schritt zu einer Tuete zusammengefaltet und anschliessend im zweiten Schritt von der oberen zu einem Dreieck geschlossen.
Gemeinsam mit allen Deutschen im Hotel "Los Pinos" in einer Kueche zu stehen hat mir gefallen, da ich auch alleine gerne Koche und besonders viel Spass am Backen finde.
Als dann unsere Empanadas fertig waren, sassen wir voller Erwartung beisammen. Wie wird es sein? Wie soll ich reagieren? Werden sie mich ueberhaupt vesrtehen koennen?
Viele Fragen gingen mir dabei durch den Kopf. Drei Familien waren schon anwesend, als meine Gasteltern mit ihren zwei Toechtern in Begleitung einer der Organisatorinnen der Einfuehrungswoche im Tuerrahmen erschienen.  "Wer erkennt seine Gastfamilie?" fragte sie.
Obwohl ich keine gesprochene Antwort in perfektem Spanisch zum besten gab, sondern einfach nur vom Sessel vor dem Kamin aufsprang und zu meiner Familie-auf-Zeit lief, war wohl jedem Beobachter klar, dass ich mein neues zu Hause erkannt hatte.
Und sie mich dann auch... Hoffe ich...
Aber diesem ganzen Ereignis standen viele Lektionen ueber Argentinien und seine Bewohner bevor. Einiges, aber nicht alles, was ich davon mitgenommen habe, will ich euch im Folgenden mitteilen:
Argentinier sagen niemals "Nein", auch wenn sie es eigentlich gerne moechten.
Argentinier sagen niemals, was sie wirklich denken.
Argentinier vestehen keine Ironie.
Argentinier ziehen niemals zwei Tage hintereinander diesselbe Kleidung an.
Argentinier sind niemals irgendwo alleine und das Wort Privatsphaere ist ihnen vollkommen Fremd.
Argentinier laecheln, auch wenn ihnen nicht zum Laecheln zu Mute ist.
Unterwaesche wird hier von jedem eigens von Hand gewaschen.
Und zu guter Letzt die beste Nachricht:
Man braucht unglaublich viel Fingerspitzengefuehl, um mit Argentiniern umzugehen.
Na dann mal Prost!
Denn:
ich habe nicht gerade Probleme mit Ironie.
Ich sage immer "Nein", wenn ich etwas nich will.
Ich sage immer und (so gut wie) ohne Ausnahme, was ich denke.
Ich ziehe meine Hosen eigentlich immer zwei Tage hintereinander an, wenn sie nicht dreckig geworden sind.
Ich habe keine Probleme damit, mich einfach mal mit einem guten Buch alleine in mein Zimmer zu setzen.
Ich bin kein mensch, der ueber beide Ohren strahlend durch die Welt laeuft.
Meine Unterwaesche waescht meine Mutter in der Waschmaschine.
Und Fingerspitzengefuehl ist bei mir zugegebenermassen nicht in jeder Situation vorhanden.

Dennoch freue ich mich auf das kommende Jahr.
Weso? Weil ich gerade nur die Hindernisse aufgezaehlt habe, die es zu ueberwinden gilt, nicht aber Probleme!
Und Herausforderungen mochte ich schon immer.
Neben diesen Unterschieden in den Perrsoenlichkeiten der Argentinier und mir, existiert aber noch das groesste Hinderniss: Die Sprache:
mein Spanisch ist nicht gerade ueberragend, aber ich hoffe von Herzen, dass ich diese Sprache moeglichst schnell lernen werde.
Aber an dieser Stelle will ich nun mit den eigentlichen Geschehnissen hier in Argentinien fortfahren:
nachdem ich von meiner gastfamilie herzlich begruesst worden war, habe ich diesselbe zu Tisch gefuehrt, wo wir uns ein wenig unterhalten haben, bzw, wo sie auf mich eingeredet haben und meine Antworten bei "Si", "No" und "Me gusta..." blieben, bis die Empanadas vorgefuehrt wurden.
Die Empanadas haben allen (auch mir!) geschmeckt und gegen Ende half mir mein Gastvater, meinen 30kg Koffer die Treppe hinunterzuhiefen. Durch meinben Koffer lernte ich auch gleich den Freund meiner aelteren gastschwester kennen, denn meine Gastfamilie hat keinen sonderlich grossen Kofferraum und daher musste benannter Freund kommen, um meinen Koffer abzuholen.
Da meine Gastoma gleich zwei Strassen neben dem Hotel wohnt, haben wir diese gleich besucht und ich habe das erste mal in in meinem kurzen Leben "Mate" probiert. Dieser Tee ist das argentinische Nationalgetraenk und als man versuchte mir zu erklaeren, was "armado" bedeutet und daran scheiterte, gab man mir ungesuessten Mate zu trinken. Sehr gewoehnungsbeduerftig und sehr armado.
Es bedeutet bitter. Mein Gastvateer fand meinen Gesichtsausdruck wohl sehr zum lachen.
Auf dem Bild scheint mir die Sonne ins Gesicht.

Am Abend fuhren wir in mein zukuenftiges Heim und ich durfte die beiden Familienhunde kennenlernen.
Zum kleineren Hund, einem Dackel namens Maximo, wurde mir das Wort "crazy" in den Mund gelegt. Es stimmt. Dieser Hund ist durchgedreht. Aber lustig.

Da meiner Familie mein Husten sofort auffiel und ich auf wiederholtes Nachfragen antwortete, dass ich tatsaechlich Halsschmerzen habe, wurde heute morgen eine Freundin der Familie, eine Gastmutter eines anderen Deutschen und Aertztin ins Haus geholt. Mir wurde Antibiotika und eine Gurgelloesung (grrrrrrr!) verschrieben und ich hoffe, dass es mir bald besser gehen wird.
Nach dem Besuch dieser Frau durfte ich meine andere Gasstgrossmutter kennen lernen. Sie wohnt in etwa eine Autostunde von meinem Standort entfernt.
Auch sie ist eine sehr liebe Frau und ich wurde hier ueberall herzlich aufgenommen.
Bei dieser "neuen Oma" wurde heute ein Asado veranstaltet, um mir die Argentinische Art des Grillens naeher zu bringen.
Ich kann nur sagen: Lecker und bitte nicht zu viel, sonst komme ich nachher noch als Tonne wieder...

Auf der Rueckfahrt des Besuches, haben wir noch kurz bei anderen verwandten gestoppt, die mich auch noch unbedingt kennen lernen wollten. Jetzt bin ich muede, was man wahrscheinlich auch an meinem Schreibstil bemerkt...
Ich gehe jetzt gleich schlafen. Gute Nacht und denkt daran: Anja hat euch lieb!

5 Kommentare:

  1. Hallo Motte, schön von Dir zu hören. Du schreibst immer so lebhaft, dass ich wirklich das Gefühl habe, ein bisschen mit dabei zu sein. Auch die Fotos sind schöööön.
    hdgdl
    Mama

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  2. Du weist ja, dass ich im Normalfall relativ lesefaul bin, aber ich muss sagen, dein Blog liest sich deutlich besser als so manches Buch, es hilft natürlich auch dass er nicht handschriftlich verfasst ist.
    Und probier nicht zu viel, sonst kommst du nachher noch als ein erfahrener Esser zurück als ich (und was hab ich dir dann noch voraus die Reise uber den großen Teich hast du ja inzwischen auch schon hinter dir) !
    Weiterhin viel spaß!
    Hat deine Gastfamilie eigentlich einen großen Garten oder sieht das auf dem Foto nur so aus ?

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  3. Auf dem Foto sieht man nicht den Garten meiner Gastfamlie sondern den meiner "neuen Oma".
    Die Hunde gehoeren auch zu dieser Frau.
    Meine Gastfamilie hat allerdngs auch einen huebschen garten mit einem kleinen Pool.
    Die Hunde laufen dort haeufig lang und vom garten aus geht eine Treppe in das unbewohnte Obereschoss.
    der Dackel Maximo weiss, wie man diese treppe hochlauft. aber nicht wie man wieder herunterkommt...
    Ich hffe hr freut euch alle auf meinen naechsten Blogeintrag. Einiges, was ich in der Einfuehrungswoche erlebt habe, werde ich dann noch einfliessen lassen.
    Zum Beispiel ene Tanzstunde...
    Hab euch lieb,
    Anja

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  4. Grüße aus Deutschland26. Juli 2010 um 12:47

    Hallo Anja, soll Dir ganz liebe Grüße bestellen von Oma, von Frau Schütken und von Anneliese, die heute Geburtstag hat. Habe die Bilder von Dir und deiner Gastfamilie ausgedruckt und allen gezeigt.
    Dann wirst du dem Dackel wohl jetzt öfter helfen müssen, die Treppe wieder runter zukommen. Hast du Skype? hdgdl Mama, Oma, Papa und alle, die dich vermissen und sich über Nachrichten aus Cordoba freuen....

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  5. du armes Mädchen :D
    aber ernsthaft ich hätte damit auch probleme

    besoders mit der Ironie aber das hört sowieso keiner bei mir :(
    aber wie ist das mit der Unterwäsche wäscht man die im Waschbäcken ???(hört sich richtig dumm an die Frage)
    Bylle

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