Freitag, 1. Oktober 2010

Lang, lang ist's her...

..., dass ich mich das letzte Mal aus dem Land der Gauchos gemeldet habe.
Wenn ich auf das Datum des letzten Eintrages schaue, sehe ich mit schlechtem Gewissen, dass mehr als zwei Wochen schon zwischen diesen Momenten und meiner letzten Bemühung euch mitzuteilen, was um mich herum geschieht, liegen.
Ich hoffe, dass mir das im nun nicht mehr so sonnigen Deutschland (*schadenfroh*) niemand übel nimmt und man sich einfach darüber freut, wieder von mir zu hören.
Von dem, was in der Schule geschieht, brauche ich wohl nicht mehr viel erzählen, mittlerweile kommt nämlich nicht mehr viel Neues hinzu, was man in Deutschland nicht schon gelesen, gehört oder in Deutschen Schulen selbst erlebt hätte.
Daher beschränke ich mich darauf zu sagen: Ich gehe hier die Wochentage zur Schule, fühle mich dementsprechend wohl, obgleich ich am frühen Aufstehen noch nie Gefallen gefunden habe.
Mehr muss ich dazu denke ich nicht sagen und da es hier in Argentinien eher ungewöhnlich ist, dass man sich außerhalb der Wochenenden trifft und so beschränken sich meine Aktivitäten während dieser Tage auf die alltäglichen und Sport, denn ohne das zweimal wöchentliche Fußballspielen und Schwimmen wäre ich mittlerweile schon um einige Kilogramm schwerer...
Am Wochenende also, dass auf meinen letzten Post folgte, habe ich mich Samstag mit einer Freundin getroffen, die ebenfalls Deutsche ist und ihr im Gegensatz zu mir fünfmonatiges Auslandsprogramm genießt.
Wir haben viel geredet, unsere Erfahrungen ausgetauscht, haben uns einige Geschäfte angeschaut und waren gemeinsam Eis essen und das in einer Eisdiele, die nicht die große Aufschrift "Grido" trägt, denn diese Marke wächst hier alle 300 Meter wie Unkraut aus dem Boden und verkauft dabei nicht einmal das leckerste Eis!
Wirklich gutes Eis verkauft aber der laden, den ich mit meiner deutschen Freundin besucht, die ich übrigens zufälligerweise beim Schwimmen kennen gelernt habe, dass sie genauso wie ich zweimal wöchentlich besucht.
Die Eismischung aus "Ferrero-Rocher" und "Dulce de Leche" trägt übrigens zwar nicht gerade zum Schlankbleiben bei, ist aber sehr zum Genießen geeignet und ich denke, dass ich diesen Ort, den ich Dank meiner älteren Schwester kennen gelernt habe, noch einige male besuchen werde. An diesem Tag habe ich auch noch ein Geschenk für den Geburtstag meiner Großmutter am folgenden Tag und ein gelbes Top gekauft, welches mir am folgenden Montag dienen sollte. Wozu, werde ich im Folgenden noch ausführen.
Am nächsten Sonntag habe ich dann den 70. Geburtstag meiner Gastgroßmutter feiern dürfen.
Einige neue Mitglieder meiner Familie habe ich dabei kennen gelernt und gemeinsam haben wir viel gegessen und gelacht. Meine Gastmutter  hat wieder Kuchen gebacken, den ich am Tag vorher mit meiner Schwester verziert hatte. Diesen Tag mit meiner Familie zu verbringen und mit meiner neuen Oma diese Momente zu teilen, war sicherlich eine Bereicherung für mich und für sie.
Abends war ich dann auch dementsprechend müde und habe mich schlafen gelegt.
Die nächste Schulwoche hielt zumindest einen unbekannten Anfang bereit:
Den Dienstag dieser Woche wurde der Frühlingsbeginn gefeiert, was hier in Argentinien im Unterschied zu Deutschland nicht mit resigniert ausgesprochenen Worten "Wow, es ist Frühlingsanfang" (bekanntlich fühlt man sich in Deutschland zu dieser Zeit wenig frühlingshaft), sondern mit großen Festen und vielen Blumen gefeiert wird, wobei sich dieses zumindest in der Provinz in ich lebe noch in Grenzen hält, denn mir stockte wirklich der Atem als ich per Fernsehübertragung die Festlichkeiten in Buenos Aires verfolgte.
Jedenfalls begann meine Woche nach Schultradition also mit einem so genannten "Intertribu".
Eine Flagge, die von der Abschlussklasse  entworfen und
genäht worden ist.
Dabei wird jede Klasse in zwei Teams aufgeteilt, die sich gelb und grün nennen und in verschiedenen Sportarten gegeneinander antreten.
Wenn ein Team eine Disziplin in seiner Altersklasse gewinnt, bekommt es Punkte und das Team, welches am Ende die meisten Punkte hat, hat gewonnen.
Vor diesem Ereignis gehen einige Schüler der sechsten und damit der Abschlussklasse durch die einzelnen Klassen und man kann sich für höchstens zwei der Sportarten eintragen lassen.
Für Mädchen stand Laufen, Hockey, Fußball, Volleyball und Tauziehen und für Jungs Fußball, Volleyball, Laufen, Fußballtennis und Tauziehen zur Auswahl. letztendlich war es aber egal, für was man sich eingetragen hat, wenn man Lust hatte zu spielen, ist man zu einer der Sportarten gegangen und wenn nicht, eben nicht.
Ich habe an diesem Tag letztendlich Fußball gespielt (und dabei zwei Tore geschossen bei einem Spiel, dass letztendlich 2:0 ausgegangen ist) und beim Tauziehen, dass als einzige Sportart mit allen Jahrgangsstufen auf einmal  ausgeführt wurde und das mein Team auch gewonnen hat.
Dieser Tag bildet übrigens eine der wenigen Ausnahmen, an dem wir nicht in Schuluniform erscheinen müssen, sondern uns in der Farbe unseres Teams kleiden können.
Dieses Bild ist morgens entstanden,
da war mir noch kalt und ich hatte noch keinen Sonnenbrand...
Des morgens bin ich an diesem Tag also im Samstag gekauften gelben Top zur Schule gegangen und geordnet nach Jahrgangsstufen sind wir dann in Bussen zu einem großen Sportplatz gefahren, weil die Möglichkeiten meiner Schule, obgleich sie keine kleinen Sportplätze hat, für Angelegenheiten dieser Größe nicht ausgelegt.
Der Sportplatz war zwar schön, aber leider gab es wenige Möglichkeiten des Schattens, was mir besonders an diesem Tag nicht gut bekommen ist, denn als ich nach Hause kam und in den Spiegel schaute, entdeckte ich, dass meine Schultern und mein Gesicht in etwa die Farbe von Himbeerwackelpudding aufwies. Eine Woche danach lässt sich sagen, dass es so schlimm nicht gewesen sein scheint, denn bloß ein kleiner Fleck auf meiner Schulter hat die von einem Sonnenbrand trockene Haut abgeworfen, dennoch ist jetzt genau erkennbar, welche Partien mein Top bedeckt hat, und welche nicht...
Den Abend dieses Tages habe ich mit Freunden bei mir zu Hause verbracht.
Frühlingsanfang
Mit insgesamt zehn Leuten, haben wir uns mit Erlaubnis meiner Mutter um zehn Uhr abends getroffen und gemeinsam geredet, Empanadas bestellt und gegessen, Cola, Sprite und Fanta getrunken und sind dann um drei Uhr des Nachts auseinander gegangen, was wir uns erlauben konnten, weil besagter folgender Dienstag der Frühlingsanfang Argentiniens ist, den ich größtenteils mit Lesen in meinem Bett verbracht habe, denn nach zwei Monaten nahezu vollkommener Trockenheit fing es natürlich gerade am Frühlingsanfang an zu regnen oder eher zu schütten, denn in einigen Teilen der Stadt war der Niederschlag von dermaßener Stärke und Menge, dass diese Unterwasser standen, wovon mein Viertel glücklicherweise verschont blieb.
Den Mittwoch nach diesem Regenschwall, der übrigens immer noch nicht ganz aufgehört hatte, und nachdem in einer großen Feier, in der der Gewinner des Intertribus bekannt gegeben worden war (der übrigens mein Team ist :-)) und wir gemeinsam das Frühlingskönigspaar und den Frühlingstrasvestiten gewählt hatten, die jede Klasse zur Wahl bereit gestellt hatten, war ich gemeinsam mit meiner Mutter im Zentrum, um das Geld für die Reise nach Puerto Madryn zu bezahlen. Diese Reise wird diesen Monat noch stattfinden und ich freue mich sehr darauf, daran teilzunehmen, denn zu sehen sind dabei unter anderem Wale und Pinguine.
Ich werde dann einige Fotos machen und sie euch schicken, damit ihr auch ein bisschen etwas von dem habt, was ich hier sehe.
Den Donnerstag der Woche war ich dann beim Goethe-Institut in Córdoba und habe mir einen Leserausweis ausstellen lassen, weil ich gerne einige der in der zum Institut gehörenden Bibliothek stehenden Bücher lesen möchte, die mich sehr interessieren.
Freitag und Samstag habe ich recht ruhig verbracht. Samstag Abend war ich in einem der vielen Shopping-Zentren Córdobas um mir eine neue Sonnenbrille zu kaufen, denn meine hat den Transport im Koffer leider nicht überstanden und dennoch benötigte ich eine, denn Montag bis Mittwoch der vergangenen Woche war ich mit meiner Klasse beim so genannten "Campamento", was genau das ist, dazu werde ich kommen, nachdem ich berichtet haben werde, dass ich den Sonntag des Wochenendes bei meiner zweiten Gastoma verbracht habe und wir gemeinsam Asado gegessen haben.
Das "Campamento" findet hier in  allen Jahrgangsstufen meiner Schule statt, wobei die jüngeren Schüler in Betten, die älteren in Zelten schlafen.
Man fährt gemeinsam im Bus hinaus an einen relativ abgelegen Ort (dennoch ausgewiesener Campingplatz mit einigen Gebäuden, die unter anderem auch Betten beherbergen) und macht verschiedene Spiele, Wanderungen und lernt Dinge über Natur und Überleben, was an sich ganz interessant ist und letztendlich auch sehr vergnüglich verbracht werden kann, wenn es nicht gerade wie am ersten Tag meiner Reise regnet, wie zu Frühlingsbeginn, was allerdings den Vorteil hatte, dass wir Nachts nicht in den doch eher unbequemen Zelten, sondern in Betten schlafen durften, nachdem wir Tagsüber den Versuch einer ersten Wanderung unternommen hatten, die wir nach zehn Minuten abbrachen, weil der Regen mit zuvor ungekannter Stärke erneut einsetzte, nachdem er eine kurze Pause eingelegt hatte.

Am zweiten Tag nun haben wir die Zeit mit einersiebenstündigen Wanderung verbracht, während der ich viel Neues gesehen und einige neue Dinge gelernt habe.
Wir haben unter anderem z.B. gelernt, wie man Feuer mit Batterien und Stahlwolle entfacht, welche Arten es gibt, Holz zu Feuerstellen zuzsammenzulegen, wie man Menschen wiederbelebt oder ihnen hilft, wenn sie in den bergen verunglücken, wie man zum Trecking seinen Rucksack am besten packt...
Das Land meines Austausches hat wirklich wunderschöne Gegenden.
Auf dem Rückweg der Wanderung sind wir übrigens an einem kleinen Wasserfall vorbei gekommen und haben zuerst nur unsere Füße gekühlt, denn dieser Tag war sehr warm und sonnig, doch wie es eigentlich vorhersehbar war, sind nur wenige von uns letztendlich trocken geblieben und auch ich bin mit Top und Jogginghose am Wasserfall schwimmen gegangen.
Es war wunderbar, auch wenn mir danach etwas kühl war.
Aber des Abends war dieses Gefühl wieder verflogen, denn gemeinsam mit den begleitenden Lehrern hatten wir gemeinsam eine Art bunten Abend vorbereitet, an dem wir getanzt, gespielt und Sketche aufgeführt und gesehen haben, wobei unsere Lehrer einen großen Part des Abends füllten und ich kann auch generell sagen, dass das Verhältnis Lehrer-Schüler hier ein anderes ist, denn viele der Lehrer pflegen ein weniger distanziertes Verhältnis zu ihren Schützlingen, was ich persönlich mittlerweile zu schätzen gelernt habe, denn dadurch hatten sowohl ich, als auch meine Klassenkameraden und Lehrer viel Spaß, der andernfalls sicherlich nicht zustande gekommen wäre.






Den dritten Tag haben wir viel geredet, erst über die Probleme, die im Klassenverband existieren, geredet und danach, gegen Ende des Campamentos darüber, wie es uns gefallen hat und was wir gerne verbessern würden.
Letztendlich sind wir zurückgekehrt und ich habe schon wieder ein leicht rotes Gesicht, nachdem der erste Sonnenbrand gerade abgeklungen war.
Ich werde es schon überstehen.
Viele Grüße aus dem zeitweilig sonnigen Argentinien,
Anja

6 Kommentare:

  1. Jede Klasse hat Frühlingstrasvestiten aufgstellt? xD

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  2. Ja, kein Witz! Man hat einen Jungen, einen Mädchen und einen Jungen, der sich anziehen, schminken und laufen musste wie ein Mädchen, gewählt.

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  3. Hallo Maus, wir grüßen dich aus unserem Urlaub, diesmal schreiben wir zwar nicht den ersten Kommentar, aber immerhin...wir hatte sehr viel Spaß deinen Blog zu lesen und freuen uns, dass es dir so gut geht..denn das ist ja nun mal das Wichtigste..genieße deine Zeit in Argentinien...wir haben dich ganz doooolll liiiiieeeb...Mama und Papa

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  4. pffft frühlingsanfang... guck mal auf den kalender, es wird winter!! ;)

    Gruss,
    Ralf

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  5. HeyAnja,
    um dein Wetter ist dich echt zu beneiden,obwohl wir hier recht sonnige Herbstferien haben.Danke übrigens auch für deinen Brief,der zwar schon vor einiger Zeit angekommen ist, aber ich habe noch nicht geschafft zurück zu schreiben! Sorry!
    Lg Marie

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  6. die Daheimgebliebenen17. Oktober 2010 um 13:21

    Hallo Motte, herzlich Glückwunsch, heute hast du schon drei Monate geschafft. Du kannst stolz auf dich sein. Genieß die Zeit und behalte deinen Humor. Du kannst echt stolz auf dich sein. Fühle dich von uns gedrückt. WIr haben dich gaaaanz doll lieb.

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