Ich befinde mich seit nunmehr drei Wochen auf argentinischem Boden und habe seit mehr als einer Woche keinen neuen Post mehr verfasst. Dafuer moechte ich mich ersteinmla entschuldigen, allerdings werdet ihr natuerlich im Folgenden Erfahren, wie genau es dazu gekommen ist.
Mein letzter Beitrag endete letzte Woche Freitag und seitdem habe ich viel Neues sehen und erleben duerfen.
Das Wochenende und den schulfreien Montag habe ich recht ruhig verbracht, wenn man von dem Samstag im Zentrum zwecks Schulunifornkaufes absieht.
Ruhig ging es da naemlich nicht zu, bis ich die passenden Schuhe gefunden habe.
Vorgeschrieben sind von der Schule schwarze Mokassins, die zu der restlichen Uniform getragen werden muessen. Derartige Schuhe besass ich allerdings nicht und daher musste ich mir welche kaufen.
Wenn man schon einmal mit mir Schuhe kaufen war, weiss man, dass das schon ohne Vorschrift ein schwieriges Unterfangen ist. So wurde die Schwierigkeitsstufe noch zweimal hoeher gesetzt.
Nun kenne ich in etwa fuenfzehn Schuhgeschaefte Córdobas und weiss wenigstens, wie man nach passenden Schuhen fragt.
Die Schuhgeschaefte, die die Anfrage nach Mokassins in Schuhgroesse vierzig verneinten, habe ich in diese Zahl nicht mit einbezogen, da ich dort keine Schuhe anprobiert habe. Mitgerechnet, liegt die Zahl nicht bei fuenfzehn, sondern bedeutend hoeher.
Wenn ich zusammen mit meinem Gastvater, der mich netterweise begleitete, ein Schuhgeschaeft betrat, spielte sich meistens Folgende Szene ab (Text uebersetzt auf Deutsch):
Gastvater: Hallo, guten Tag, wie geht es Ihnen? (So begruesst man sich hier)
Verkaufer: Hallo, guten Tag, wir geht es Ihnen (, denn auf die Frage nach dem befinden antwortet man hier nicht, und wenn doch, wird man seltsam angesehen. Es scheint hier niemanden zu interessieren, wie es einem geht, aber ich konnte mir noch nicht abgewoehnen zumindest mit einem "gut" zu antworten)
Gastvater: Wir suchen schulische Schuhe (woertlich uebersetzt von "zapatos colegial"), schwarz, in Groesse 39/40, haben sie so etwas hier?
Verkaeufer: (1. Moeglichkeit) Nein, tut mir leid, in braun vielleicht, aber eigentlich verkaufen wir eher Schuhe fuer schickere Anlaesse...
Gastvater: Trotzdem danke fuer ihre Muehe, koennen Sie mir denn ein Geschaft empfehlen, dass derartige Schuhe fuerhrt?
Verkaeufer: Ja, natuerlich, suchen sie mal einen Block geradeaus, drei Bloecke links auf der rechten Seite (,denn
die argentinischen Grossstaedte sind in quadratische Bloecke eigeteilt)
Gastvater: Danke und guten Tag.
Verkaeufer: Danke und guten Tag
Verkaeufer: (2.Moeglichkeit): Ja, einen Moment bitte, ich hole sie aus dem Lagerraum...
Gastvater: Danke (,denn "Gracias" (fuer Eva: d.h. Danke) ist noch vor "Si" und "No" (fuer Eva: d.h. Ja und Nein) das meist gebrauchte Wort, der Vereinfachunghalber, werde ich allerdings im Folgenden einige "Gracias" entfallen lassen)
Verkaeufer: (fuenf Minuten spaeter aus dem Lagerraum zurueckgekehrt)
Hier sind die Schuhe.
Nun packt er entweder ein pasr sehr haessliche Schuhe aus, die mir nicht passen, oder er packt ein Paar sehr schoene Schuhe aus, die mir ebenfalls nicht passen, weil, wie immer, mein kleiner Zeh zu lang ist und ich die Schuhe eine Nummer Groesser brauche, die aber natuerlich leider nicht im Lager vorhanden ist oder die Schuhe viel zu gross sind sie es aber im lager keine Nummer kleiner mehr gibt.)
Gastvaters: Haben sie diese Schuhe vielleicht eine Nummer kleiner/groesser
(An diese Frage schliesst sich wieder Moeglichkeit Nummer eins an, die ich an dieser Stelle nicht noch einmal wiederholen brauche, da man Dank der modernen Errungenschaft des Internets einfach wieder ein Stueckchen hochscrollt und Moeglichkeit eins wieder vor Augen hat, falls sie einem bis zum naechsten Absatz wieder entfallen ist, worum man sich anfangen sollte zu sorgen, denn in diesem Falle besitzt man ein sehr schlechtes Kurzzeitgedaechtniss oder hat den vorliegenden Text nur ueberflogen)
| Meine neuen Schul-Schuhe |
Letztendlich haben wir aber trotz aller Muehen und im Angesicht unseres Schweisses ein Paar passender Schuhe gefunden, die mich mit festen Tritt durch das kommende Jahr begleiten werden.
Auf dem nebenstehenden Bild sind erwaehnte Schuhe leider schon durch den Schmutz einer Schulwoche etwas verunstaltet, dennoch sind dçsie aber sehr bequem, nur leider bei den hier herrschenden dreizehn Grad der letzten Woche etwas kalt...
Auf den etwas stressigen Schuhkauf folgte der weniger stressige Kauf der Uniform zur Vervollstaendigung derselben.
Weniger stressig, war er auf Grund der eher geringen Auswahl.
| Ich mit meiner Schwester in der Jacke der Schuluniform |
Zu den nunmehr vorhandenen Schuhen gesellten sich ein Pullover, ein Sportshirt, ein Poloshirt, eine Krawatte (die zu der bereits vorhandenen Bluse getragen werden muss) und eine warme, kuschellige Fleecejacke, die zu meinen neune Lieblingsstuecken gehoert und die ich auch ausserhalb der Schulzeit gerne trage.
Nachdem der Einkauf vollendet war, und ich, da die Einkaufspassagen in der Innenstadt gelegen sind, mit meinem Gastvater noch ungefaehr acht weitere Kirchen besichtigt hatte, die zwar zugegebenermassen ein schoenes Stueck Architektur und Kunst, aber fuer meinen Geschmack doch in etwas zu hoher Zahl vorhanden sind, fuhren wir wieder nach Hause und ich habe mich Sonntag und Montag mit einem sehr guten Buch abgegeben, dass ich allerdings durch den Stress unter der Woche erst heute beenden konnte. (Fuer diejenigen, die es interessiert: Das Buch heisst "Die toten Seelen" und ist von Nikolai Gogol, einem russicshen Schriftsteller verfasst worden. Darin geht es um einen Mann, der umherzieht und versucht, gestorbene Bauern zu kaufen, die noch in der Revisionsliste eingetragen sind und somit an den Staat verpfaendet werden koennen)
Dienstag hatte ich dann meinen ersten Schultag, von dem ich euch in den naechsten Abschnitten berichten moechte:
Dienstag morgen musste ich mich um 6:30 aus meinem warmen, kuschelligen Bett erheben, um anschliessend in einen kalten, gar nicht kuschelligen Tag hinauszugehen, was ich mit der mir allmorgendlich anhaftenden Begeisterung auch tat.
Ich legte meine Schuluniform an. erst Bluse, dann Strumphose, es folgen die Krawatte und das Rock-Kleid, fuer das es im Deutschen keinen Namen gibt, zur vervollstaendigung fehlen noch Pullover und Fleece-Jacke.
Kakao getrunken und raus geht es in die kalte Welt.
Meine Gastmutter fuhr mich und meine Gastschwester, wie sie es jeden Morgen tut, zur Schule, wo wir gemeinsam ausstiegen. Marc, den anderen Deutschen, der mit mir auf meine argentinische Schule geht, hatte ich schnell gefunden, er stand mit seinem Gastbruder, der so alt ist wie meine Gastschwester afst direkt am Eingang.
Danach wurden wir dann durch die Haende von etwa vier Leuten gegeben, die alle nicht wussten, wo wir uns beim morgendlichen Apell hinzustellen hatten.
Ja, hier wird jeden Morgen ein Apell abgehalten. Alle Schueler stehen auf dem Schulhof, in Reihen und nach Klassen sortiert und erste werden alle Klassen aufgerufen. Der vorderste Schueler ruft "Presente" (Fuer Eva: d.h. "Anwesend") und danach wird gebetet, nur murmeln hier alle so, dass ich immer noch nicht herausgefunden habe, was eigentlich gebetet wird.
Jedenfalls wurden an unserem ersten Schultag Marc und ich nach dem Aufrufen der einzelnen Klassen vorgestellt und alle Schueler starrten uns an. Ich kam mir vor wie ein Austtellungsobjekt...
Danach wurden wir ins Sekretariat gebracht, kurz vom Direktor begruesst, der uns anschliessend schon verliess und danach wurden meine Spanischkenntnisse auf die esrte Haerteprobe gestellt, die ich sehr gut ueberstanden habe, denn mit dem Sekretaer konnte ich mich ohne groessere Probleme auf Spanisch unterhalten.
Fuer Marc gestaltet sich das schon schwieriger, da seine Spanischkenntnisse noch geringer sind als meine.
Allerdings laesst sich hinzufuegen, dass mein Spanisch sich durch das einwoechige Zusammenleben mit meiner Gastfamilie schon erheblich verbessert hat und ich mittlerweile das Meiste von dem verstehe, was man mir sagt.
Der Sekretaer fragte mich, wo denn der dritte Deutsch sei, denn mit Marc und mir besucht auch noch Florian diese Schule, doch auch ioch konnte ihm nicht sagen, wo er sich aufhalte.
Danach wurde ich, obgleich eigentlich fuer die vierte Klasse vorgesehen (das entspricht in Deutschland der zehnten) war, in die fuenfte Klasse eingestuft, jedoch nach zwanzig Minuten wieder aus dieser relativ ruhigen Klasse herausgenommen und in die vierte gebracht, da Florian aufgetaucht war, der ein Jahr aelter ist als ich und somit eher in diese Stufe gehoert.
Ich folgte also dem Sekretaer, der dieses ganze Procedere vollzog, in die vierte Klasse.
Schon auf dem Flur hoerte ich Rufe, die aus der Klassenzimmertuer drangen. Ich wurde vor die auf mich sehr wild scheinende Klasse gestellt, man fragte mich nach meinem namen und wie lange ich denn bleibe, worauf ich auch auf Spanisch antwortete. danach setzte ich mich in die Klasse. Ein Platz war noch frei. In der ersten Bank, aber das kenne ich auch schon aus Deutschland.
Nachdem sich die Klasse wieder ein wenig beruhigt hatte (denn wie ich spaeter erfuhr, waren sie nur so laut, weil Marc gerade wieder aus dieser Klasse entfernt worden war, um in die dritte gebracht zu werden, wogegen sie lautstark protestiert hatten), erfuhr ich, dass mein erstes Fach an diesem Tag "Gestión" ist, was auf Deutsch in etwa mit "Fuehrungsmanagement" zu vergleichen ist.
Worum genau es dort geht, habe ich bis jetzt noch nicht ganz verstanden, was allerdings nicht an der sprachbarriere, sondern daran liegt, dass ich den Sinn des unterrichteten Stoffes noch nicht verstanden habe.
Leider ist aber Gestión meine Ausrichtung, denn hier in Argentinien wird ab der vierten Klasse der weiterfuehrenden Schule eine Spezialisierung ausgewaehlt, die mir aber von der Schule zugeteilt wurde.
Eigentlich haette ich lieber die andere der beiden an meiner Schule vorhandenen Spezialisierungen gewaeht, welche sich "Humanidades" nennt, was sich, wie ich denke selbst fuer gewisse Personen (E.) von selbst uebersetzt.
Jedenfalls habe ich bis jetzt einige erlebnissreiche Schultage hinter mir. Meine Klassenkameraden, sowie meine Lehrer, sind groesstenteils sehr nett. Unter den lehrern befinden sich faehige und nicht faehige Mennschen, wobei sich das "Faehig" allein auf die Taetigkeit des Unterrichtens, nicht aber auf den Menschen an sich bezieht.
Diese Unterscheidung kenne ich allerdings auch schon aus Deutschland.
Auf die genaueren Differenzen des Schulsystems werde ich allerdings on meinem naechsten Beitrag genauer eingehen, sonst sitze ich hier noch bis nach null Uhr am Computer und schlafe morgen in der Schule ein, was als neue Schuelerin ein fataler Fehler waere!
Am Wochendende und nach einer Erlebnissreichen Woche, bin ich nun dieses Wochenende mit meiner Gastfamilie nach Rosario gefahren, da meine Gastmutter dort irgendetwas zu regeln hatte, was genau, weiss ich allerdings nicht.
Rosario ist die drittgroesste Stadt Argentiniens und mit dem Auto braucht man von Córdoba aus fuenf Stunden.
Freitag nachmittag um vier sind wir losgefahren und Samstagabend um sieben wieder zurueck. Die Nacht haben wir in einem netten Hotel verbracht.
Am Samstag habe ich mit meinen Gastgeschwistern und meinem Gastvater die Stadt besichtigt.
Rosario ist bekannt, weil hier zum ersten Mal die argentinische Flagge gehisst worden sein soll. Daher steht hier auch ein grosses Monument, auf das man hinaufsteigen kann.
Es nennt sich "Monumento a la Bandera" (Bandera bedeutet Flagge)
Ich habe viele schoene Fotos gemacht, nur leider dauert es immer so lange, bis diese vollstaendig hochgeladen sind, sonst wuerde ich euch noch wesentlich mehr zeigen.
Das obere Bild zeigt Rosario aus dem Monument, in dem ich mit meiner gastfamilie war.
Rosario ist eine huebsche Stadt und hat einige schoene Ecken.
An diesem tag hatten wir so gutes Wetter, dass man in der Sonne sogar nur mit T-Shirt und Jeans herumlaufen konnte.
Meine Freundinnen werden hoffentlich das T-Shirt, welches ich an diesem Tag anhatte wiedererkennen...
Ich sage jetzt Ciao (Tschau fuer Eva) und wuensche euch eine schoene Wartezeit bis zum naechsten Beitrag.
Ich habe euch lieb und eigentlich auch noch einiges zu erzaehlen, aber ich bin muede, weil der Hund mich heute morgen um acht Uhr mit seinem Gejaule geweckt hat, obwohl ich gestern nacht wegen der langen Autofahrt erst spaet ins bett gekommen bin.
Bis zum naechsten Post:
Anja aus Argentinien
Guten Morgen liebe Maus, na wenn das keine Erlebnisse sind. Und ich gehe davon aus, dass das nur ein Teil von dem ist, was du noch alles zu erzählen hast. Freue mich auf das nächste Telefonat..hdgdl Mama
AntwortenLöschenhey du das t-shirt ist echt schön=)
AntwortenLöschenmuss jetzt los der urlaub ruft
ld
isa
Junge,Junge...Die arme Eva xD
AntwortenLöschenNaja schön das es dir gefällt =)
Bei uns (also bei mir) is alles kla,und ich hoffe ma bei den andern auch^^
Ich werd dir mal in nächster Zeit einen Brief schicken...So ist es jedenfalls geplant =)
Hdl
Kathi
Liebe Anja,
AntwortenLöschengerade ist deine Mutter da und zeigt mir wie ich dir auch schreiben kann.
Ich bin auf jerden Fall total begeistert und wünsche Dir weiterhin eine schöne Zeit.
Liebe Grüße Erika
Liebe Anja,
AntwortenLöschenda ich an Deinem Geburtstag in Urlaub bin, möchte ich Dir jetzt schön vorab, einen schönen Geburtstag wünschen.
Ich habe Mama einen kleinen Obulus gegeben, du findest es auf Deinem Konto.
Viel spaß in Buenos Aires .
Lebe Grüße Erika
Hey Anja,
AntwortenLöschenmal wieder ein sehr gelungerner Beitrag, muss man schon sagen.
Und als ich die Geschichte mit dem Apell gelesen habe, hast du mir (ausnahmsweise mal ;) ) echt Leid getan, aber das hast du ja (hoffe ich) gut wegstecken können.
Ich freue mich schon auf deine nächste Post und schaue mal, ob ich dir auch mal persönlich schreiben werde.
Und jaaa dein T-Shirt mag ich seeeeeehr ;D
Ganz liebe Grüße
Diana
Und ich hoffe, du siehst vielleicht die Ironie an manchen Stellen im Text und hoffe, dass du kein Problem mit hast. Denn wir wissen ja, dass die Argentinier das ein bisschen anders sehen. ;)
AntwortenLöschenLiebe Anja,
AntwortenLöschenendlich habe ich es geschafft in deine Nachrichten zu gehen. Ich freue mich, dass es dir gut geht. Ich wünsche dir noch viel Spaß in Argentinien und melde mich bald. Am Samstag hat Manuel Geburtstag und wir bekommen auch viel Besuch. Tschüß, es grüßt dich herzlich Irmgard